Interview mit der tiermedizinischen Fachangestellten Kim

Warum nach der Ausbildung eine Fortbildung zur Hundephysiotherapeutin?

Interview mit der tiermedizinischen Fachangestellten Kim | © adpic

Kim hat gerade mit ihrer Fortbildung zur Hundephysiotherapeutin begonnen. Sie macht das zusätzlich zu ihrer Arbeit in einer Tierarztpraxis. Sie ist seit fast drei Jahren Tiermedizinische Fachangestellte in Vollzeit. Nun büffelt sie während ihrer Mittagspausen und auch an den Wochenenden. Und der erste einwöchige Blockunterricht liegt auch schon hinter ihr. Warum sie das alles macht, wie alles anfing und auch wie das abläuft, erzählt sie mir im Interview.

Wusstest du schon immer, was du mal werden willst?

Ich wusste schon als kleines Mädchen, dass ich mal irgendwas mit Tieren machen will. Ich hatte Kaninchen, Mäuse und wir hatten auch einen Familienhund. Ich bin also mit Tieren aufgewachsen. Meine Eltern meinten dann, dass ich doch Tierärztin werden sollte. Wie das mit Eltern so ist - sie wünschen sich immer, dass ihr Kind die bestmöglichen Berufschancen hat.

Warum hast du nicht studiert und bist dann tatsächlich Tierärztin geworden?

Gute Frage. Ich habe Abitur gemacht, allerdings mit einer nicht besonders guten Abschlussnote. Der NC für Tiermedizin war sehr hoch, da hätte ich mit meinem Notendurchschnitt eine sehr lange Wartezeit gehabt. Für die Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten reicht allerdings schon ein Realschulabschluss. Also hab ich mich für eine Ausbildung entschieden. Und ehrlich gesagt, ich wollte mein eigenes Geld verdienen. Im Gegensatz zum Studium habe ich halt von Anfang an ein Ausbildungsgehalt bekommen.

Wie sah deine Ausbildung aus und was hat dich besonders fasziniert?

Meine Ausbildung habe ich in einer Kleintierpraxis gemacht, die von zwei Tierärztinnen geleitet wird. Von Anfang an durfte ich bei allen Untersuchungen dabei sein und auch schon bald bei kleineren Operationen assistieren. Natürlich gehörte aber auch die Arbeit an der Anmeldung dazu. Da mussten Termine vergeben, Anfragen bearbeitet und Tierhalter mit ihren Tieren in die Behandlungsräume gebracht werden. Es gab auch eine Krankenstation, in der Tiere für einen gewissen Zeitraum untergebracht wurden, die in der Praxis operiert worden waren. Meine Aufgabe war es, diese Tiere zu beobachten und zu versorgen, bis sie von ihren Herrchen wieder abgeholt wurden. Außerdem machten wir auch Hausbesuche, wenn die Tierhalter nicht in der Lage waren, das kranke Tier in die Praxis zu bringen. Für mich war besonders toll, dass ich so eine umfangreiche Ausbildung bekommen hatte und schon früh aktiv mitarbeiten durfte.

Wie ging es nach der Ausbildung weiter?

Nach meiner Ausbildung bin ich nach Hamburg gezogen und habe dort eine Stelle in einer Tierklinik bekommen. Die Klinik ist spezialisiert auf Kleintiere, Vögel und Reptilien. Dort sieht der Arbeitstag natürlich ganz anders aus. Es gibt viele außergewöhnliche Fälle. Die Operationen sind umfangreicher, ganz speziell sind auch die Knochen-OPs. Ständig kommen Notfälle rein, die in kleinen Praxen nicht versorgt werden können. Es gibt ein wesentlich größeres Team und die Arbeitszeiten sind flexibler, da in Schichten gearbeitet wird. Natürlich gibt es auch Notdienste und Wochenenddienste. Das hat mir nicht so gut gefallen. Besonders nachteilig fand ich allerdings, dass die Nachversorgung der Tiere beim jeweiligen Haustierarzt stattfand, der weitere Krankheitsverlauf und ein Endergebnis also für uns gar nicht mehr sichtbar waren. Das waren dann auch die Gründe, warum ich wieder in eine Kleintierpraxis gewechselt habe.

Wie bist du auf die Ausbildung zur Hundephysiotherapeutin gekommen?

Schon in der Ausbildung habe ich gemerkt, dass das Arbeiten als Tiermedizinische Fachangestellte zwar viel Spaß macht, mich aber nicht genug fordert. Schließlich darf ich immer nur assistieren. Dabei würde ich gerne eigenverantwortlich arbeiten können.

Besonders spannend finde ich alles, was mit Knochen und Gelenken zu tun hat. Ich habe mich dann über mögliche Weiterbildungen informiert und bin auf die Hundephysiotherapie gestoßen.

Wie läuft diese Ausbildung genau ab?

Die Ausbildung dauert ein Jahr. Nach der Anmeldung habe ich umfangreiche Lehrmaterialien per Post bekommen. Die arbeite ich nun zuhause durch - ca. 20 Stunden pro Woche. Zusätzlich gibt es viermal in diesem Jahr Blockunterricht in Theorie und Praxis mit je 6 Tagen. Das Schöne ist, dass ich zu den Praxiswochen meinen eigenen Hund mitbringen darf und er mir als Übungshund zur Verfügung steht.

Was macht dir an deinem Beruf am meisten Spaß und was fehlt dir?

Der Kontakt zu den Tieren, insbesondere zu den Hunden ist toll. Aber auch Beratungsgespräche mit den Tierhaltern finde ich super, denn dazu haben die Tierärzte oft keine Zeit.

Was noch fehlt? - Ein noch engerer Kontakt zum Tier und natürlich die Freiheit, selbst über eine Behandlungsmethode entscheiden zu können.

Wie sind deine Pläne nach der Fortbildung? Machst du dich selbstständig?

Eine Selbstständigkeit mit eigener Praxis wäre mein Wunsch. Darauf arbeite ich hin. Vielleicht mache ich aber anfangs auch Beides - die Arbeit als Tiermedizinische Fachangestellte in Teilzeit und zusätzlich freiberuflich die Arbeit als Tierphysiotherapeutin.

Was empfiehlst du jungen Menschen, die noch unsicher sind, wie sie ihre passende Ausbildung finden?

Man sollte in viele Berufe reinschnuppern über Praktika, Zukunftstage, Ausbildungsmessen. Wichtig ist, die eigenen Interessen nicht aus den Augen zu verlieren.

Vielleicht hilft es auch, nach der Schule eine Pause einzulegen, z.B. für einen Auslandsaufenthalt. Ich habe mich für Work & Travel entschieden und bin ein Jahr lang durch Australien gereist. In der Zeit konnte ich mich vom Abistress erholen und in Ruhe überlegen, was mir beruflich wirklich Spaß machen könnte.

Denkst du, dass es für dich besser gewesen wäre, ein Studium in Tiermedizin zu machen?

Natürlich habe ich nochmal darüber nachgedacht. Tatsächlich denke ich aber nun, dass der Weg, den ich jetzt gehe, für mich der Passende ist. Ich habe Erfahrungen in Praxen und in einer Tierklinik gesammelt und für mich herausgefunden, was mich wirklich fasziniert. Dazu muss ich nicht Tierärztin sein. Die Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten und die jetzige Ausbildung zur Hundephysiotherapeutin bieten mir später alle Möglichkeiten.

Wie denken deine Eltern über deinen Entschluss? Hätten Sie dich lieber als Tierärztin gesehen?

Wir haben uns natürlich oft darüber unterhalten. Aber letztendlich waren wir uns einig, dass ein Studium mich nicht zwangsläufig mehr qualifiziert, in dem was ich tun will. Sie unterstützen meinen Entschluss und das finde ich super.


Vielen Dank für dieses Interview, Kim. 

Wir von Ausbildung 123 wünschen dir viel Erfolg in der Zukunft.


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