Berufsausbildungsbeihilfe

Hast du Anrecht auf BAB und wie kannst du sie beantragen?

Berufsausbildungsbeihilfe | © adpic

Endlich hat es geklappt, du hast einen passenden Ausbildungsplatz gefunden. Auch das Vorstellungsgespräch lief gut. Nur dann kommt das bittere Übel: Dein Ausbildungsgehalt wird nicht hoch genug sein, um deinen Lebensunterhalt alleine bestreiten zu können. Glücklicherweise gibt es finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten wie beispielsweise die Berufsausbildungsbeihilfe. Wie hoch sie genau ist, wer Anrecht auf BAB hat und wie du sie beantragen kannst, liest du in diesem Beitrag.

Habe ich ein Anrecht auf Berufsausbildungsbeihilfe?

Da sich die Ausbildungsgehälter bei den verschiedenen Ausbildungsberufen sehr stark unterscheiden können, kannst du unter bestimmten Voraussetzungen den Finanzzuschuss durch die Bundesagentur für Arbeit bekommen. Folgende Kriterien müssen bei dir erfüllt sein, um ein Anrecht auf BAB zu haben:

  • Deine Berufsausbildung musst du innerhalb eines anerkannten Ausbildungsberufs machen.
  • Während deiner Ausbildung kannst du nicht mehr zuhause wohnen, weil entweder dein Ausbildungsbetrieb zu weit weg ist oder du aufgrund von sozialen Schwierigkeiten ausziehen musst.

Bei beiden Fällen kannst du nicht mehr zuhause wohnen und musst dementsprechend die Kosten für eine eigene Wohnung tragen. Dabei kann dich die Berufsausbildungsbeihilfe unterstützen. Auch wenn du bereits verheiratet bist oder Kinder hast und nicht mehr bei deinen Eltern, aber in der Nähe wohnst, hast du einen Anspruch auf BAB.

Was ist sonst noch wichtig? – Voraussetzungen Berufsausbildungsbeihilfe

Des Weiteren solltest du beachten, dass du belegen musst, dass deine Eltern oder deine Ehefrau / dein Ehemann dich nicht finanziell bei der Bestreitung deines Lebensunterhaltes unterstützen können. Deshalb ist bei der Berechnung der Höhe der Berufsausbildungsbeihilfe nicht nur dein persönliches Einkommen, sondern auch das dieser Personen ausschlaggebend.

Solltest du eine schulische Ausbildung absolvieren, kannst du kein BAB beantragen.

Wie hoch fällt die Berufsausbildungsbeihilfe für mich persönlich aus?

Generell kann dies nicht so pauschal beantwortet werden, da die Höhe der BAB für jeden Einzelfall individuell berechnet wird. Die Bundesagentur für Arbeit berechnet hierbei zuerst den Gesamtbedarf, zu dem der Grundbedarf und Zuschläge für beispielsweise Fahrtkosten oder Arbeitskleidung zählen. Am Ende werden noch dein persönliches Azubi-Gehalt und das anrechenbare Einkommen deiner Eltern + inklusiver festgelegter Freibeträge abgezogen. Unter der Bedingung das nach dem Abzug des Gehalts ein positiver Betrag übrig bleibt, wird dir dieser monatlich als Berufsausbildungsbeihilfe ausgezahlt.

Ab dem 1. August 2019 hat sich der Grundbetrag der Berufsausbildungsbeihilfe erhöht: 

 Bis 31.07.2019 Seit 01.08.2019
Grundbedarf372 €391 €
Grundpauschalbetrag Unterkunftskosten166 €---
für nachgewiesene Miete über 166 €bis zu 84 €---
Pauschalbetrag für Unterkunftskosten---325 €
Gesamtbedarf ohne weitere Zuschlägebis zu 622 €716 €

Rechenbeispiel

Dadurch, dass die Berechnung der Höhe der Berufsausbildungsbeihilfe teilweise sehr komplex sein kann, wollen wir dir unser kleines Rechenbeispiel vorstellen.

Unsere Ausgangssituation:

Luis ist 17 Jahre alt, alleinstehend und wohnte bisher bei seinen Eltern in Fulda. Nun hat er einen Ausbildungsplatz in Köln gefunden. Er musste umziehen und erhält im ersten Ausbildungsjahr ein Azubi-Gehalt von 400 Euro monatlich. 

Bedarf bei Unterbringung außerhalb des Familienhaushaltes716 Euro
Bedarf für Arbeitskleidung14 Euro
Fahrtkosten für Fahrten zwischen Wohnung und Ausbildungsstätte (Monatskarte)45 Euro
Bedarf für einen monatlichen Besuch zuhause14 Euro
Gesamtbedarf789 Euro

Vom Gesamtbedarf wird anschließend das anzurechnende Einkommen von Luis und seinen Eltern abgezogen: 

Abgezogener Freibetrag von Luis Ausbildungsvergütung-65 Euro
Anzurechnendes Einkommen335 Euro
Einkommen von Luis Eltern2100 Euro
Freibetrag für das Einkommen der Eltern- 1835 Euro
Weitere Freibeträge- 649 Euro
Freibeträge Einkommen Eltern insgesamt- 2482 Euro
Einkommen Eltern minus Freibeträge- 382 Euro (das Einkommen der Eltern wird nicht mit angerechnet)
Gesamtbedarf minus anzurechnendes Einkommen (BAB)454 Euro

Am Ende bleibt ein Betrag von 454 Euro übrig, welchen Luis nun monatlich zusätzlich zu seiner Ausbildungsvergütung erhält.

Wie kann ich Berufsausbildungsbeihilfe beantragen?

Wenn du einen Anspruch auf BAB hast, kannst du dir das Antragsformular bei der Agentur für Arbeit abholen und anschließend ausfüllen. In der Regel musst du folgende Dinge neben dem ausgefüllten Antragsformular mit in den Briefumschlag legen:

  • Kopie des Personalausweises
  • Kopie des unterschriebenen Ausbildungsvertrags
  • Kopie des Mietvertrags
  • Nachweis über Einkommen der Eltern bzw. des Lebenspartners

Deine BAB kannst du jedoch bereits beantragen, selbst wenn noch einige Dokumente fehlen. Diese musst du dann später nachreichen. Der Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe entsteht ab dem Monat, in dem das Antragsformular bei der Agentur für Arbeit eingegangen ist.

Noch Fragen? – Berufsausbildungsbeihilfe

Muss ich die BAB irgendwann zurückzahlen?

Nein, du musst deine Berufsausbildungsbeihilfe nicht zurückzahlen. Dies gilt auch, wenn du deine Ausbildung abbrechen solltest.

Was passiert, wenn die Ausbildung abgebrochen wird?

Solltest du die Ausbildung abbrechen und eine neue beginnen, erhältst du nur nochmals BAB, wenn ein berechtigter Grund für den Abbruch der ersten Ausbildung vorliegt, beispielsweise aufgrund von gesundheitlichen Problemen.

Kann ich BAB auch für meine zweite Ausbildung beantragen?

Das ist abhängig davon, ob es einen geltenden Grund dafür gibt, dass du noch eine weitere Ausbildung machst. Zum Beispiel ist dieser triftige Grund gegeben, wenn du mit deiner ersten Ausbildung keinen Anspruch auf dem Arbeitsmarkt hast. Eine Alternative der finanziellen Unterstützung bei der 2. Ausbildung könnte Wohngeld sein.

Ich habe keine deutsche Staatsbürgerschaft – habe ich auch ein Anrecht auf Berufsausbildungsbeihilfe?

Da die Gesetzgebungen hierbei sehr vielschichtig sind, empfehlen wir dir, dich am besten direkt bei der Bundesagentur für Arbeit zu informieren. Generell gesagt gelten bestimmte gesetzliche Voraussetzungen – zum Beispiel müsstest du aus einem EU-Mitgliedsstaat kommen, einen bestimmten Aufenthaltsstatus besitzen oder einer deiner Elternteile seit mindestens drei Jahren in Deutschland arbeiten.


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