Gendergerechte Ausbildung

(m/w/d) oder (gn) - was bedeutet das?

Gendergerechte Ausbildung | © adpic

Um zu verstehen, was sich hinter dem Begriff „Gendergerechte Ausbildung“ verbirgt, musst du zuerst einmal begreifen, woher der Begriff stammt und wie man ihn verwendet.

Was bedeutet eigentlich „Gender“?

Ins Deutsche übersetzt findet man nur einen Begriff, und zwar „Geschlecht“. Tatsächlich stammt die Bezeichnung aus dem Englischen und dort unterscheidet man zwischen „gender“ als dem sozialen, gelebten und gefühltem Geschlecht und „sex“ als dem bei Geburt aufgrund körperlicher Merkmale zugewiesenen Geschlecht.

Wenn es nun also um das soziale Geschlecht und um die Geschlechtsidentität (das innere Wissen, welches Geschlecht man hat) geht, spricht man von „Gender“.

(m/w/d) - Wieviele Geschlechter gibt es denn nun?

Für viele Menschen gab es bisher immer nur zwei Geschlechter. Grundsätzlich aber stimmt das so nicht. Denn es ist eine Tatsache, dass manche Menschen sich weder als Frau noch als Mann fühlen. Dieses Phänomen ist nicht neu. Früher nannte man diese Menschen wenig schmeichelhaft Zwitter. Heute spricht man von Intersexuellen. Es wird vermutet, dass 80.000 bis 120.000 Menschen in Deutschland intersexuell sind. Tatsächlich ist das dritte Geschlecht seit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 10. Oktober 2017 (1 BvR 2019/16) offiziell anerkannt.

Menschen mit dem dritten Geschlecht dürfen demnach nicht in eine unpassende Rolle wie Mann oder Frau gedrängt werden.

Wikipedia beschreibt Intersexuelle so:

„Menschen, die genetisch (aufgrund der Geschlechtschromosomen) oder auch anatomisch (aufgrund der Geschlechtsorgane) und hormonell (aufgrund des Mengenverhältnisses der Geschlechtshormone) nicht eindeutig dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden können.“

Man liest es in Stellenanzeigen häufig - (m/w/d). „M“ für männlich und „w“ für weiblich sind dir schon bekannt. Aber wofür steht das „d“? Das „d“ ist die Abkürzung für divers und meint damit genau die Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen. Auch findet sich die Abkürzung „gn“, die geschlechtsneutral bedeutet.

Gender und Geschlechterrollen in Bezug auf die Berufsorientierung.

„Männer sind _______, Frauen sind _______.“ Wenn du diese Sätze vervollständigst, kommen häufig viele Klischees raus. Das liegt daran, dass uns ständig erzählt wird, wie Männer und Frauen angeblich sind. Viele denken, um als Mann oder Frau zu gelten, müssten sie solchen Klischees und Erwartungen entsprechen. Aber denk mal an reale Menschen aus deinem Umfeld: Geht dein Vater gerne ins Theater? Macht deine Schwester Judo oder spielt dein Freund Klavier? Und sagt das was über ihr Geschlecht aus? Menschen sind eben immer viel mehr als diese Klischees – und viele sind auch ganz anders.

Glaubst du, dass Frauen und Männer jeweils praktisch von Natur aus verschiedene berufliche Begabungen und Interessen haben? Dann geht es dir wie der Mehrheit der Menschen. Wissenschaftlich ist das allerdings nicht bewiesen. Vielmehr liegen die Gründe dafür in Erziehung und Bildung, die geschlechtsbezogen sind. Das gilt auch für die Berufsorientierung. Sicher ist dir schon aufgefallen, dass einzelne Berufe und Tätigkeiten nicht klischeefrei dargestellt werden, sondern als „männlich“ oder „weiblich“ gekennzeichnet sind. Das schränkt die Berufschancen für dich als Auszubildenden ein.

Also ist es wichtig, die Eingrenzung von „Männer-“ und „Frauenberufen“ aufzuheben. So bekommst du als Azubi die Chance, dein Talent zu erfahren und weiterzuentwickeln.

Bist du also eine junge Frau, bekommst du genau wie deine männlichen Mitbewerber die Möglichkeit, zum Beispiel im MINT-Bereich deine Ausbildung zu machen. Ebenso wie junge Männer im sozialen und im Dienstleistungsbereich ihre Interessen und Talente nutzen können.

Gender Gap und Gender Pay Gap in der Ausbildung

Als Gender Gap bezeichnet man die Kluft zwischen den Geschlechtern in Bezug auf die Berufswahl. Interessant ist es, sich die Zahlen dazu anzusehen. Die KfW-Bank erstellt dazu eine jährliche Analyse zur Struktur und Entwicklung des Mittelstands in Deutschland. Diese Studie zeigt, dass weibliche Auszubildende in technischen Berufen und im Baubereich die Ausnahme sind. Frauen bevorzugen rein schulische Angebote besonders in Gesundheits- und Erziehungsberufen sowie Berufen im sozialen Bereich. Bei betrieblichen Ausbildungen liegt der Frauenanteil bei nur 38 Prozent und das nicht etwa in technischen, sondern hauptsächlich in Dienstleistungs- und kaufmännischen Berufen. Jeder vierte weibliche Azubi lernt den Beruf einer Zahnmedizinischen Fachangestellten oder Kauffrau für Büromanagement – bei den Männern dagegen nur jeder Fünfzigste. Stattdessen wird ein Fünftel der Männer Mechatroniker, Industriemechaniker oder Elektroniker. Diese Berufe werden von kaum einer Frau ausgeübt.

Und es gibt noch einen Unterschied: Frauen absolvieren ihre betriebliche Ausbildung häufiger in Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten und das vor allem im Dienstleistungsbereich. Die Folge: Junge Männer verdienen im Schnitt mehr, weil sie Ausbildungen in Branchen machen, die besser zahlen. Weibliche Azubis erhielten der Studie zufolge 2017 durchschnittlich 860 Euro Tarifvergütung im Monat – 25 Euro und damit drei Prozent weniger als Männer.

Wichtig ist also, dass du dir mit diesem Wissen genau überlegst, welcher Beruf zu dir passt, unabhängig davon, was vielleicht von dir erwartet wird.


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