Beamtenausbildung - wie geht das?

Alles rund um das Thema Ausbildung im öffentlichen Dienst.

Beamtenausbildung - wie geht das? | © adpic

Bist du geeignet für den öffentlichen Dienst?

Vielleicht liegen dir deine Eltern schon in den Ohren, dass du dich für eine Beamtenausbildung entscheiden sollst, denn es ist ja bekannt, dass Beamte1 sichere Jobs mit hohem Verdienst haben. Du solltest dich aber zunächst einmal fragen, ob du das richtige „Zeug“ dafür mitbringst. Beantworte dir dazu folgende Fragen:

  • Magst du es, mit Menschen umzugehen und ihnen zu helfen?
  • Möchtest du dich für das Gemeinwohl einsetzen und einen Beitrag dazu leisten, dass der Staat „funktioniert“?
  • Interessierst du dich für rechtliche Fragestellungen, Politik und Gesellschaft?
  • Möchtest du einen krisensicheren Arbeitsplatz haben?
  • Traust du dir zu, Beamte/r zu werden?
  • Macht dir die Arbeit im Team Spaß?
  • Bist du stark im Planen und Organisieren?
  • Kannst du in jeder Situation einen kühlen Kopf bewahren?
  • Macht es dir Spaß, am PC zu arbeiten?
  • Kannst du auf dein Streikrecht verzichten?
  • Möchtest du steuerliche Vorteile genießen?

Welche Voraussetzungen musst du erfüllen?

Nur als deutscher Staatsbürger oder Staatsangehöriger eines anderen EU-Staates kannst du eine Beamtenlaufbahn beginnen. Du darfst keine hohen finanziellen Schulden haben und musst einen gesundheitlichen Eignungstest bestehen. Einige Beamten-Berufe setzen weitere Eigenschaften voraus. Als Polizist in Nordrhein-Westfalen musst du zum Beispiel als Frau eine Mindestgröße von 1,63 Meter haben und als Mann eine Mindestgröße von 1,68 Meter. Außerdem sind ein gutes Sehvermögen sowie Nacht- und Schichtdiensttauglichkeit Voraussetzungen für eine Verbeamtung.

Welchen Schulabschluss brauchst du?

Man unterscheidet zwischen einfachem, mittlerem, gehobenem und höherem Dienst. Welche Laufbahn für dich infrage kommt, hängt von deinem Bildungsabschluss und dem angestrebtem Beruf ab. Grundsätzlich gelten folgende Voraussetzungen:

  • Beamter im einfachen Dienst:
    Hauptschulabschluss
  • Beamter im mittleren Dienst:
    Realschulabschluss oder Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung
  • Beamter im gehobenen Dienst:
    mindestens Fachhochschulreife, in vielen Fällen sogar ein abgeschlossenes Studium
  • Beamter im höheren Dienst
    mindestens Master- oder Diplomstudium in einer berufsbezogenen Fachrichtung

In welchen Berufen gibt es denn eine Ausbildung und was sind die Inhalte?

Ausbildung zum Beamten im einfachen Dienst. 

Die Tätigkeiten eines Beamten im einfachen Dienst finden überwiegend in der Verwaltung statt, aber auch im Gericht, in Anwaltskanzleien oder bei Steuerberatern. Die Ausbildungsdauer liegt je nach Beruf bei 6 bis 12 Monaten.

Mögliche Berufe sind:

  • Justizwachtmeister/in
  • Beamter bei der Steuerverwaltung
  • Beamter in der Kommunalverwaltung
  • Rechtspfleger/in

Ausbildung zum Beamten im mittleren Dienst.

Die Haupttätigkeiten liegen in der Sachbearbeitung und Verwaltung. Wenn du gut mit Zahlen umgehen kannst und du Freude daran hast, Dokumente, Akten und Order zu erstellen, dann bist du hier richtig. Dieser Bereich wird von den meisten Auszubildenden gewählt und dauert in der Regel zwei Jahre.

Mögliche Berufe sind:

Ausbildung zum Beamten im gehobenen Dienst.

Hier wird zwischen technischen und nichttechnischem Dienst unterschieden. Beim nichttechnischen Dienst kannst du mit einer Ausbildungsdauer von etwa drei Jahren rechnen. Für den technischen Dienst beträgt die Ausbildungsdauer nur ca. ein oder zwei Jahre. Du wirst verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen und recht schnell eine Art Führungsposition besetzen.

Mögliche Berufe sind:

  • Beamter in der Allgemeinen Inneren Verwaltung
  • Beamter in der Agrarverwaltung
  • Beamter im Archivdienst
  • Beamter im auswärtigen gehobenen Dienst
  • Beamter im Bahnwesen
  • Beamter im Bibliothekswesen
  • Beamter in der Bundesbank
  • Beamter im Zolldienst
  • Beamter im Bundeskriminaldienst
  • Beamter im Bundesnachrichtendienst
  • Beamter im Feuerwehrtechnischen Dienst
  • Beamter im Forstdienst
  • Beamter im Verfassungsschutz
  • Beamter im mittleren Justizvollzugsdienst
  • Beamter bei der Steuerverwaltung
  • Beamter in der Sozialversicherung
  • Beamter in der Umweltverwaltung
  • Beamter in der Wehrverwaltung

Ausbildung zum Beamten im höheren Dienst. 

Die Ausbildung zum Beamten im höheren Dienst nennt sich Referendariat und folgt auf ein abgeschlossenes Studium aus den Bereichen Rechtswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Finanzwissenschaften, aber auch der Pädagogik, der Medizin oder der Naturwissenschaften. Nach Abschluss der Ausbildung bietet sich dir eine Vielzahl von Beschäftigungsmöglichkeiten.

Übrigens nennt man Azubis in der Beamtenausbildung Anwärter. Und noch eine wichtige Information: Während deiner Ausbildung giltst du als Beamter auf Widerruf und besitzt noch nicht das Privileg der Unkündbarkeit. Sollten Zweifel an deiner Eignung für die Beamtenlaufbahn bestehen, kannst du immer noch kurzfristig aus dem Dienst entlassen werden.

Die Bewerbung - wie und wann?

Anders als bei herkömmlichen Ausbildungen musst du damit rechnen, dass eine Art Auswahlverfahren, ein sogenanntes Assessment-Center auf dich zukommt. Das bedeutet, dass du neben einem Vorstellungsgespräch auch einen Einstellungstest, Gruppenübungen oder Ähnliches absolvieren musst. Das gesamte Verfahren ist relativ hart und besonders wichtig zu wissen für dich - es beginnt auch sehr früh. Wenn du dir also einen Ausbildungsplatz im öffentlichen Dienst schnappen möchtest, fang am besten schon eineinhalb Jahre vor dem gewünschten Ausbildungsbeginn damit an, eine geeignete Stelle zu suchen. Alles zum Thema Bewerbung wie z.B. Lebenslauf gestalten, Bewerbungsmappe erstellen und Online-Bewerbung findest du in unseren Bewerbungstipps. Deine Bewerbung muss ein Jahr vor Ausbildungsbeginn der entsprechenden Behörde vorliegen.

Gehalt und Aufstiegsmöglichkeiten.

Dein Gehalt ist abhängig von Besoldungsgruppe, Bundesland und Erfahrungsstufe und wird im öffentlichen Dienst als monatlicher Anwärtergrundbetrag bezeichnet. Die Anwärterbezüge richten sich nach den vier Stufen der Beamtenausbildung.

Die Vergütung ist im einfachen Dienst am geringsten und steigt entsprechend an. Beamte der Allgemeinen inneren Verwaltung im mittleren Dienst erhalten einen Anwärtergrundbetrag von 1.100 Euro, Beamte im gehobenen nichttechnischen Dienst können mit einer Ausbildungsvergütung von etwa 1150 Euro im Monat rechnen. Der finanzielle Rahmen der Ausbildungsvergütung von Beamten bewegt sich zwischen 950 Euro und 1150 Euro. Die Einstiegsgehälter liegen bei ca. 1700 Euro und 2200 Euro.

Was die Aufstiegschancen als Beamter angeht, muss man sagen, dass sie nicht besonders hoch sind. Zwar kannst du durch ein Studium in einen höheren Dienst und eine höhere Besoldungsgruppe aufsteigen, zumindest im öffentlichen Dienst herrschen allerdings sehr starre Hierarchien. Allerdings gibt es regelmäßige Gehaltserhöhungen durch den Aufstieg von Erfahrungsstufen. So ein Aufstieg erwartet dich jeweils automatisch nach einer bestimmten Anzahl an Berufsjahren. 

Welche Vorteile hast du im Beamtenstatus?

Nachdem du die Probezeit erfolgreich gemeistert hast, bist du Beamte/r auf Lebenszeit und kannst nicht gekündigt werden. Allerdings darfst du dir nichts zuschulden kommen lassen.

Du musst keine Beiträge für Renten- und Arbeitslosenversicherung zahlen, da du bereits durch die Unkündbarkeit und eine Pension von deinem Dienstherren gut abgesichert bist. Dadurch bleibt dir ein höherer Nettoverdienst am Ende des Monats übrig.

Du erhältst später keine Rente, sondern eine Pension. Die Pension ist ein großer Vorteil des Beamtentums, denn sie ist nicht abhängig von einzahlenden Arbeitnehmern/innen oder einer privaten Rentenversicherung.

Nun hast du alle nötige Informationen zur Hand und wir drücken dir die Daumen für eine Ausbildung nach deinem Geschmack.

 

1 Es sind stets Personen männlichen und weiblichen Geschlechts gleichermaßen gemeint; aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wird im Folgenden nur die männliche Form verwendet.


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